HAGELBERGER STREET REVUE IM FLÖZ
By H.P. Daniels

from Der Tagesspiegel
June 7, 2000

In den 70ern war Berlin mit seinen Folkclubs Magnet für Musiker aus aller Welt. Einige ihrer besten wohnten damals gemeinsam in der Hagelberger Straße 14, Kreuzberg. Bis es sie, nach dem Sterben der Folkszene in den 80ern, wieder in alle Welt zerstreute: USA, Kanada, England, Moabit. Welche Freude, die "Hagelberger-Street-Gang" komplett versammelt wiederzusehen beim dreitägigen Festival im Flöz. [Am Donnerstag ist man noch unter sich: Musiker und Freunde, man hat sich viel zu erzählen, und erfreut sich dabei am intim privaten Auftritt von Francis Serafini, gefolgt von der angenehmen kanadischen Sängerin Shelly Beal mit dem exzellenten Dobro-Spieler Steve Miller, und schließlich munteren Singalongs aller "Hagelberger" in wechselnden Besetzungen.]

Am Freitag platzt der kleine Kellerclub aus allen Nähten. Beim furiosen Set des Sängers Ron Randolf, der mit seinen alten Freunden ebenso grandios singt wie sonst mit den stadtbekannten "Hot Nachos".  Das Duo Wayne Grajeda/Bob Williams überzeugt mit hübschen Songs, dichtem Gitarrensound und makellosem zweistimmigen Gesang. Und Tom Cunningham, Pendler zwischen Nashville und Berlin, versucht neben seinen amerikanischen Songs den Spagat über die deutschsprachige (Markt)Lücke zwischen Peter Maffay und Howard Carpendale.

Am Samstag John Vaughan mit seiner eindringlichen Hymne an Kreuzberg. Ein erdig rockender Auftritt des Londoners John Thomas (ex Johnny And The Drivers) mit Hagelberger-Begleitung und dem großartigen Danny Dziuk am Piano. Und zur Krönung ein inspirierter Set des Kaliforniers Jesse Ballard mit seiner grandiosen Paradise Island Band. Und am Ende 15 Musiker auf der Bühne zum vergnügten Schlußgesang.